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Sie gelten als natürlich, gut verträglich und potenziell wirksam fürs Gehirn: Omega-3-Fettsäuren. Doch was leisten sie wirklich bei Depressionen im Kindes- und Jugendalter? Eine grosse Schweizer Studie liefert nun die bislang klarste Antwort – und korrigiert verbreitete Erwartungen.

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Text: Marita Fuchs

Omega-3-Fettsäuren gelten seit Jahren als Hoffnungsträger in der Medizin. Die mehrfach ungesättigten Fettsäuren, meist gewonnen aus Fischöl, sind Bestandteile von Zellmembranen und spielen eine wichtige Rolle für Entzündungsprozesse und die Funktion des Gehirns. Entsprechend werden Omega-3-Präparate bei einer Vielzahl von Erkrankungen empfohlen – von Herz-Kreislauf-Leiden über entzündliche Erkrankungen bis hin zu psychischen Störungen. Gerade in der Kinder- und Jugendpsychiatrie erscheinen die Kapseln vielen als sanfte, nebenwirkungsarme Ergänzung zur Therapie.

Doch eine grosse Schweizer Studie dämpft diese Erwartungen nun deutlich. Eine von der Universität Zürich geleitete, multizentrische, randomisierte klinische Studie zeigt: Omega-3-Fettsäuren bringen bei Kindern und Jugendlichen mit mittelgradigen bis schweren Depressionen keinen zusätzlichen Nutzen. Die Ergebnisse wurden Anfang Januar 2026 im Fachjournal JAMA Network Open veröffentlicht.

Untersucht wurden 257 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 8 und 18 Jahren an fünf kinder- und jugendpsychiatrischen Zentren in der Schweiz. Es handelt sich um die bislang weltweit grösste randomisierte Studie zu Omega-3-Fettsäuren bei klinisch depressiven Jugendlichen – und zugleich um eine der längsten. Über einen Zeitraum von 36 Wochen erhielten alle Teilnehmenden eine leitliniengerechte Psychotherapie. Zusätzlich wurden sie entweder mit Omega-3-Fettsäuren oder mit einem Placebo behandelt.

Keine signifikante Verbesserung gegenüber dem Placebo

Das Ergebnis ist eindeutig: Zwar besserten sich die depressiven Symptome im Verlauf der Behandlung – jedoch in beiden Gruppen gleichermassen. Die zusätzliche Einnahme von Omega-3-Fettsäuren führte zu keiner signifikanten Verbesserung gegenüber dem Placebo. Auch bei sekundären Endpunkten wie Remissions- und Ansprechraten, Lebensqualität, Suizidalität oder dem Bedarf an antidepressiver Medikation zeigten sich keine Vorteile. Blutuntersuchungen bestätigten, dass die Jugendlichen die Präparate zuverlässig einnahmen und der Omega-3-Spiegel in der Behandlungsgruppe deutlich anstieg – an mangelnder Einnahmetreue lag das Ergebnis also nicht.

«Unsere Ergebnisse sprechen dagegen, Omega-3-Fettsäuren in dieser Dosierung routinemässig als Zusatzbehandlung bei depressiven Kindern und Jugendlichen einzusetzen», sagt Studienleiter Gregor Berger von der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie. Gerade bei schweren Erkrankungen sei es entscheidend, sich auf wirksame, evidenzbasierte Therapien zu konzentrieren. Auch Behandlungen, die als natürlich oder nebenwirkungsarm gelten, müssten sich an ihrem tatsächlichen Nutzen messen lassen. «Der Einsatz nicht wirksamer Therapien kann dazu beitragen, dass Depressionen chronifizieren und effektive Behandlungen verzögert werden», warnt Berger.

Besonders relevant ist die Studie, weil sie eine klinisch anspruchsvolle Patientengruppe einschloss: Viele der Teilnehmenden litten unter einer hohen Symptomlast, teils auch unter ausgeprägter Suizidalität. Die Ergebnisse liefern damit praxisnahe Evidenz – und stellen eine weit verbreitete Annahme infrage.
Zugleich macht die Studie deutlich, wie gross der Bedarf an neuen, gezielteren Behandlungsansätzen für depressive Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter weiterhin ist. Omega-3-Fettsäuren jedenfalls sind – zumindest in dieser Form und Dosierung – kein Ersatz für bewährte Therapien.

Zur Publikation (Berger G. et al. ω-3 Fatty Acids in Pediatric Major Depressive Disorder – A Randomized Clinical Trial. JAMA Network Open, 2026)

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