ADHS kann delinquentes Verhalten begünstigen, führt aber nicht automatisch dazu. Im Podcast «Kopfsache?» sprechen die Forensiker Elmar Habermeyer und Volker Schmidt darüber, wann Impulsivität zum Problem wird und was Jugendlichen und Erwachsenen hilft, straffrei zu leben.
Elmar Habermeyer, Direktor der Forensischen Psychiatrie der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich, und Volker Schmidt, Chefarzt und Co-Leiter des Zentrums für Kinder- und Jugendforensik.
ADHS hat viele Gesichter. Kreativität, Energie, Neugier und Begeisterungsfähigkeit gehören ebenso dazu wie Schwierigkeiten mit Impulskontrolle, Aufmerksamkeit oder Tagesstruktur. Unter ungünstigen Bedingungen können sich diese Schwierigkeiten verstärken: etwa bei belastenden familiären Verhältnissen, schulischen Misserfolgen, fehlender Tagesstruktur, einem Umfeld, das riskantes Verhalten begünstigt, oder zusätzlichem Substanzkonsum. «Wenn es nur Kiffen ist, sind wir froh», sagt Volker Schmidt aus seiner Erfahrung in der Forensik.
Schmidt ist Chefarzt und Co-Leiter des Zentrums für Kinder- und Jugendforensik. Gemeinsam mit Elmar Habermeyer, dem Direktor der Forensischen Psychiatrie der PUK Zürich, macht er deutlich: ADHS allein erklärt keine Delinquenz. Kriminalität hat höchst selten monokausale Ursachen. Entscheidend ist vielmehr, wie individuelle Voraussetzungen, bestehende Störungen, situative Bedingungen, soziale Beziehungen und weitere Risikofaktoren zusammenspielen.
Was brauchen Jugendliche wirklich, damit sie nicht rückfällig werden? Und warum sind Strafe und Resozialisierung kein Widerspruch? Elmar Habermeyer und Volker Schmidt plädieren für einen differenzierten Blick: Strafe allein bearbeitet die Ursachen delinquenter Verhaltensweisen nicht. Nachhaltige Veränderung braucht Behandlung, verbindliche Beziehungen und konkrete Perspektiven für ein straffreies Leben.
Jetzt die fünfte Episode von «Kopfsache? ADHS betrifft mehr als nur die Psyche» hören.